Hintergründe · Studien · Europa

Die Fakten hinter der Petition.

Diese Seite ordnet Studien, den deutschen Rechtsstand und europäische Erfahrungen ein. Es geht um belastbare Argumente für einen umfassenden Schutz vor Benachteiligung nach Krebs.

Argument
5 Jahre

Klarer Schutzstandard

Bei vielen Krebserkrankungen sinkt das Rückfallrisiko in den Jahren nach der Behandlung deutlich. Fünf Jahre sind ein international etablierter Standard, der eine klare Grenze gegen lebenslange Benachteiligung setzt.

Argument
EU

Europa bewegt sich

Deutschland hat 2026 einen ersten begrenzten Schutz für bestimmte kreditgebundene Versicherungen beschlossen. Die Petition fordert eine kürzere Frist und Schutz in allen wichtigen Lebensbereichen.

Argument
Regeln

statt Förderprogramm

Das Recht auf Vergessenwerden verlangt faire und durchsetzbare Regeln. Nach spätestens fünf Jahren darf eine frühere Krebserkrankung nicht mehr abgefragt oder gegen Betroffene verwendet werden.

Häufige Fragen

Kurz und verständlich beantwortet.

Was das Recht auf Vergessenwerden nach Krebs bedeutet – und was nicht.

Gibt es in Deutschland bereits ein Recht auf Vergessenwerden?

Deutschland hat 2026 einen ersten eng begrenzten gesetzlichen Schritt beschlossen. Er betrifft bestimmte Restschuldversicherungen zu Allgemein-Verbraucherdarlehen, gilt ab 20. November 2026 und setzt 15 Jahre nach Ende der Behandlung an. Viele wichtige Lebensbereiche erfasst er nicht. Deshalb setzt sich die Petition weiterhin für einen umfassenden Schutz nach spätestens fünf Jahren ein.

Warum fünf Jahre?

Fünf Jahre sind ein klarer, international etablierter Schutzstandard. Die European Cancer Organisation fordert diese Frist nach dem Ende der aktiven Behandlung als europäischen Standard. Auch Frankreich hat seine allgemeine Frist auf höchstens fünf Jahre verkürzt. Fünf Jahre bedeuten nicht, dass jede individuelle gesundheitliche Situation identisch ist – sie setzen eine verlässliche Grenze gegen unbegrenzte Benachteiligung.

Dürfen Versicherungen dann überhaupt keine Gesundheitsfragen mehr stellen?

Doch. Aktuelle Erkrankungen, bestehende gesundheitliche Einschränkungen und andere relevante Risiken können weiterhin nach den gesetzlichen Regeln berücksichtigt werden. Nach Ablauf der Frist soll aber die frühere Krebserkrankung selbst nicht mehr abgefragt oder gegen Betroffene verwendet werden dürfen.

Was ist mit möglichen Spätfolgen?

Das Recht auf Vergessenwerden bedeutet nicht, dass aktuelle gesundheitliche Beschwerden oder bestehende Erkrankungen verschwiegen werden dürfen. Es bedeutet, dass die frühere Krebsdiagnose nach Ablauf der Schutzfrist nicht mehr pauschal und lebenslang gegen einen Menschen verwendet werden darf.

Müssen andere Versicherte dadurch höhere Beiträge zahlen?

Pauschale Aussagen über steigende Beiträge sind bislang nicht ausreichend belegt. Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern zeigen zugleich, dass Regelungen zum Recht auf Vergessenwerden praktisch umgesetzt werden können. Für eine sachliche Diskussion braucht es transparente Daten statt allgemeiner Befürchtungen.

Warum konzentriert sich die Petition auf Krebs?

Auch Menschen mit anderen Erkrankungen können Benachteiligung erleben. Wir haben den Fokus bewusst auf Krebs gelegt, weil es hier internationale Erfahrungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und konkrete gesetzliche Modelle gibt. Zudem entstand die Petition aus eigener Erfahrung. Perspektivisch kann geprüft werden, wie der Schutz auf weitere Erkrankungen ausgeweitet werden kann.

Warum braucht es ein Gesetz?

Freiwillige Vereinbarungen können erste Verbesserungen schaffen. Verlässliche Gleichbehandlung braucht jedoch klare, einheitliche und durchsetzbare Regeln. Auch die European Cancer Organisation spricht sich für gesetzlichen Schutz statt ausschließlich freiwilliger Kodizes aus.

Geht es um das Löschen von Daten oder Suchergebnissen?

Nein. Beim Recht auf Vergessenwerden nach Krebs geht es nicht um das Löschen von Suchergebnissen, Krankenakten oder personenbezogenen Daten im Internet. Es geht um ein Frage- und Verwertungsverbot, damit eine lange zurückliegende Krebserkrankung in bestimmten Entscheidungen nicht mehr gegen Betroffene verwendet wird.

Recht & Europa

Europäische Regeln und der deutsche erste Schritt

Zahlreiche europäische Länder nutzen gesetzliche Regeln oder verbindliche Vereinbarungen. Deutschland hat 2026 einen ersten begrenzten Schutz beschlossen, aber noch kein umfassendes Recht.

Positionspapier 2024

TIME TO ACCELERATE: THE RIGHT TO BE FORGOTTEN

European Cancer Organisation: europäische Position für ein verbindliches Recht auf Vergessenwerden und eine Fünf-Jahres-Frist.

Öffnen
Übersicht aktuell

Ending Discrimination against Cancer Survivors

Dr. Françoise Meuniers Initiative mit Übersichten zu nationalen Regelungen, EU-Initiativen und weltweiten Entwicklungen.

Übersicht öffnen
EU-Recht 2023

EU-Verbraucherkreditrichtlinie 2023/2225

EU-Richtlinie mit Mindestvorgabe: Krebsdiagnosen dürfen nach einer von den Mitgliedstaaten festgelegten Frist von höchstens 15 Jahren nicht für Versicherungen im Zusammenhang mit Kreditverträgen genutzt werden.

Richtlinie öffnen
Gesetz 2026

Irland: Gesetzlicher Schutz für Krebsüberlebende

Der am 15. Juli 2026 unterzeichnete irische Insurance (Disregard of Certain Medical History and Miscellaneous Provisions) Act sieht einen gesetzlichen Schutz bei Hypothekenschutzversicherungen für den Hauptwohnsitz vor. Eine frühere Krebsdiagnose darf nach fünf Jahren seit Behandlungsende und vollständiger Remission bis zur festgelegten Versicherungssumme nicht mehr zur Risikobewertung herangezogen werden; das Inkrafttreten erfolgt per ministerieller Anordnung.

Gesetz öffnen
Bundestag 2026

Beschlussempfehlung zur Verbraucherkreditrichtlinie

Bundestags-Drucksache 21/5381 zum 2026 beschlossenen Gesetz und zur angenommenen Entschließung. Der begrenzte Schutz gilt ab 20. November 2026 für bestimmte Restschuldversicherungen nach 15 Jahren; die Entschließung verlangt darüber hinaus weitere gesetzliche Arbeit.

Drucksache öffnen
Hintergrund aktuell

Recht auf Vergessenwerden bei der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs

Deutsche Einordnung mit EU-Richtlinie, Forderung nach einem Schutz spätestens fünf Jahre nach Ende der Behandlung, Beispielen aus dem Alltag und politischem Verlauf.

Hintergrund öffnen
Schriftenreihe 2025

DGHO: Keine Benachteiligungen von jungen Erwachsenen mit Krebs mehr zulassen

Gesundheitspolitische Schriftenreihe Band 22 mit medizinischer, rechtlicher und sozialer Einordnung des Rechts auf Vergessenwerden für junge Erwachsene nach Krebs.

PDF öffnen
Stellungnahme 2026

DGHO-Stellungnahme zum AGG-Referentenentwurf

Stellungnahme zur stärkeren rechtlichen Absicherung gegen Benachteiligungen nach überstandener Krebserkrankung, insbesondere im Kontext des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes.

PDF öffnen
Fachartikel 2024

Ending financial discrimination for cancer survivors

Lancet-Oncology-Beitrag zur Verankerung des Right to Be Forgotten in der europäischen Gesetzgebung gegen finanzielle Diskriminierung von Cancer Survivors.

PubMed öffnen
Fachartikel 2024

Protecting cancer survivors from financial discrimination throughout the EU

European-Journal-of-Cancer-Artikel mit europäischer Perspektive auf Finanzdiskriminierung und rechtliche Schutzmechanismen für Cancer Survivors.

PubMed öffnen
Vergleich 2025

Cancer’s Right to Be Forgotten: Vergleich von 8 EU-Ländern

JEMEP-Artikel zu medizinisch-rechtlichen Parametern und Fristen in europäischen Ländern mit bestehenden Right-to-Be-Forgotten-Regelungen.

DOI öffnen
Fachgesellschaft 2024

ESMO: Equal Financial Rights for Cancer Survivors

ESMO fordert EU-Staaten auf, gleiche finanzielle Rechte für Cancer Survivors sicherzustellen und das Right to Be Forgotten wirksam umzusetzen.

ESMO öffnen

Aus Fakten wird politischer Druck.

Diese Quellen helfen, das Thema präzise zu erklären: Es geht nicht um Sonderrechte, sondern um faire Chancen, Gleichbehandlung und ein Ende der dauerhaften Benachteiligung nach einer früheren Krebserkrankung.

Petition unterzeichnen